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MottattoM/ Jardin divers/ Kunstfabrik

MottAttoM engagiert sich für den Erhalt des industriellen Erbes in der Schweiz. Seit 2001 wird die ehemalige Fabrik in der Avenue Giuseppe Motta Nr. 20, welche seit mehr als einem Jahrhundert das Servette-Viertel in Genf mitprägt, von KünstlerInnen, HandwerkerInnen, Kulturschaffenden verschiedenster Couleur und KunstmediatorInnen umgenutzt. So bekam das nach 1985 leerstehende Industriegebäude ein neues, selbstverwaltetes, kreatives Leben.

Geschichte der Fabrik

1907 kauft die Société Coopérative Suisse de Consommation (SCSC, gegründet 1868, heute COOP) die Parzelle von der Erben von François Moget. Es handelt sich damals um drei Gebäude (503, 503b und 503c), welche als Milchhof und Bäckerei sowie wahrscheinlich auch als zentraler Standort für Liefer- und Transportfahrzeuge genutzt wurden.
1910 stellt der Architekt Edmond Fatio im Namen der SCSC einen Bauantrag für Ställe und Garagenräume.
Vorgesehen sind zwei längliche, parallele, zweistöckige Gebäudeflügel, die durch einen zentralen Gang getrennt und von einem gemeinsamen Glasdach überdacht sind.
Im Erdgeschoss des Nordgebäudes befinden sich Ställe, ein kleiner Raum für den Stalljungen, ein Lagerraum für Hafer und Werkzeuge. Vis-à-vis im Südgebäude ist die Garage für die Fahrzeuge. Die Obergeschosse dienen zweifelsohne der Lagerung von Heu, eventuell auch von Waren.
Das Gebäude wird nur zur Hälfte fertiggestellt: Den Plänen des Architekten zufolge sollte es 50 Meter lang sein, misst aber nur 25 Meter. Die hinter den neuen Ställen befindlichen Gebäude 503 und 503b bleiben so vorerst erhalten.
Eine Heizung wird in den als Pferdestall genutzten Gebäudeteilen installiert.
1912 wird ein ein Haus für Wohnungen und Sattlerei im neoklassizistischen Stil zur Straßenseite hin vor die Ställe und Garagen gebaut. Im Katasteramt steht folgende Registrierung:  Ställe N° 1776, Wagen N° 1775.

1920 expandiert die SCSC und der vorhandene Platz für ihre Fahrzeuge reicht nicht mehr aus. Der Architekt Léon Belloni fügt dem Gebäude von 1910 an der Rückseite einen großen Anbau hinzu. Eine kleine Fläche an der Nordseite bleibt frei, sie trägt die Bezeichnung „Garten“.
1924 erfolgen Umbauten um die Ställe in Automobilgaragen umzuwandeln.
Zwischen 1929 und 1930 erfolgt eine weitere Vergrößerung des Gebäudekomplexes, wieder unter der Federführung von Léon Belloni.
1957 tauscht die SCSC das Grundstück gegen ein anderes der Stadt Genf.
1958 vermietet die Stadt Genf den hinteren Raum an die in der Nachbarschaft ansässige Société des Compteurs Electriques (SODECO).
1961 erhält die SODECO das Baurecht. Sie veranlasst Arbeiten wie die Aufstockung eines Teils des Gebäudes zu Lagerzwecken.
Am Gebäude werden verschiedene Schäden verzeichnet.
1978 erneuert die SODECO die Flachdächer, fasst den Rand des Glasdaches und den Ausgang mit Blech ein und verlegt Betonplatten unter dem Glasdach.
1985 kam es in einem 1961 von der SODECO gebauten Gebäudeteil zu Wasserschäden.

Nach mehr als zehnjährigem Leerstand errichten 2001 Genfer KünstlerInnen in dem Industriegebäude Ateliers, Räume für Proben, Workshops und Begegnungen.

Wir danken Yann Joly und Joseph Frusciante für ihre unermüdlichen Recherchen.

MottAttoM ist weiterhin interessiert an Augenzeugenberichten, Fotos, alten Plänen und jeglichen weiterführenden Informationen zur Avenue Giuseppe Motta Nr. 20 und deren näherer Umgebung. Wenn Sie mit uns zusammen das Gedächtnis unseres Stadtviertels lebendig halten wollen, freuen wir uns, wenn Sie mit uns in Kontakt treten lien Kontakt

KünstlerInnenverband MottAttoM

MottAttoM ist ein selbstverwalteter, gemeinnütziger Verband von KünstlerInnen, HandwerkerInnen  und KunstvermittlerInnen in einer ehemaligen Fabrik im Servette-Viertel von Genf.

MottAttoM bietet Arbeitsräume für Theatertruppen, bildende und darstellende KünstlerInnen sowie Handwerksvereine, deren Tätigkeit auch im künstlerischen Bereich angesiedelt ist.

Unser künstlerisches Tätigkeitsfeld berücksichtigt die Besonderheiten des ehemaligen Fabrikgebäudes und ist Bestandteil der soziokulturellen Angebote in unserem Stadtviertel.

MottAttoM stellt in Genf ansässigen KünstlerInnen Arbeits- und Proberäume zur Verfügung und ist somit Beispiel für eine gelungene Umnutzung stillgelegter Industriegebäude.

Im Erdgeschoss befinden sich die Werkstätten der HandwerkerInnen und andere Ateliers, die auf barrierefreie Zugänge und Materiallieferungen angewiesen sind. Der erste Stock beherbergt wegen der auf Grund des Glasdaches hervorragenden Lichtverhältnisse die Malereiateliers und Arbeitsräume bildender KünstlerInnen.
Dort, wo die Räumlichkeiten dies gestatten, bietet sich den darstellenden Künsten Platz für Proben, Lichtinstallationen und Bühnenbild.

Durch die Umnutzung der ehemaligen SODECO-Fabrik stehen uns nicht nur einzigartige Arbeitsräume zur Verfügung; wir leben und gestalten auch die Geschichte unseres Viertels weiter und geben einem Bestandteil des Architektur- und Industrieerbes vom Anfang des 20. Jahrhunderts einen neuen Wert.

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